Gadgetfreak, der ich bin, hab ich mir dieses Jahr ein GPS gekauft: das Garmin Edge 305. Ich hatte schon lange mit dem Gedanken gespielt, mir so ein “Spielzeug” zu kaufen, war mir aber nicht wirklich klar, was ich wollte/brauchte und welches Gerät genau das leistet.
Haupteinsatzbereich für mich ist das mountain-biking. Ich mache viele Touren hier in den Voralpen und natürlich - wenn es die Zeit erlaubt - auch ein bis zwei Alpencross jedes Jahr. Was dabei nervt, sind die Situationen, bei denen man mit Mooser oder Stanciu an einer Weggabelung steht und sich fragt, was die Jungs mit der Beschreibung “…an der Gabelung hinter dem Stein, zuerst links, dann rechts oben den Weg liegen lassen und montags nicht dem linken leicht abfallenden Anstieg folgen…“ wohl gemeint haben könnten. Nichts gegen die Leistung der beiden (oder ähnlicher Tourenguides): es ist absolut Klasse, was sie rausgebracht haben. Aber wer kennt nicht den Frust, wenn man zum 4ten mal zum obigen Punkt zurückkommt, die Karte wieder rauszerrt und sich fragt, wo es denn nun lang geht? Nur um dann festzustellen, dass man noch gar nicht an dem oben beschriebenen Wegpunkt ist, weil der Tacho falsch justiert war.
Von einem GPS erhofft man sich also zunächst Wunderdinge: eine Karte, auf der man ständig sieht, wo es das nächste kühle Weissbier gibt, eine sanfte freundliche Frauenstimme, die einen dazu auffordert in 5m links in den wunderschönen Wiesentrail abzubiegen und einen Prozessor, der einem, wenn man den letzten Anstieg doch nicht mehr machen möchte, auf Knopfdruck eine ebene Alternativroute vorschlägt. All das ist natürlich noch Zukunftsmusik. Die Funtionalitäten der heutigen GPS-Geräte sind deutlich rudimentärer, aber nicht weniger sinnvoll.
Für mich gab es 2 Hauptkategorien, zwischen denen ich mich entscheiden musste
- Geräte mit Kartendarstellung
- Geräte ohne Kartendarstellung
Geräte mit Kartendarstellung (z.Bsp. GPSMAP 60Cx - ca. €600,-) erscheinen natürlich erst mal als die verlockendere Option. Aber bei meinem Einsatzbereich wird schnell klar, dass einem die karten überhaupt nix nutzen. Die meisten trails sind in die bei den Garmin-Geräten verfügbaren Karten nicht eingezeichnet. Man sieht zwar, dass sich in 500m Luftlinie ein Berggipfel oder See befindet, aber das ist auch alles. Solange die Qualität und kostenlose Verfügbarkeit von Karten nicht deutlich besser ist, bietet die Kartendarstellung keinerlei Vorteil (zumal sie noch teuer zu bezahlen ist!).
Geräte ohne Kartendarstellung (z.Bsp. Garmin Edge - ca. €300,-) sind deutlich billiger und kleiner. Sofern man sich an die 3D-Darstellung von Routen in seinem Fahrzeug-Navi gewöhnt hat, ist so ein Gerät natürlich erstmal gewöhnungsbedürftig. Auf dem grauen Display sieht man lediglich eine schwarze Linie (den track/course) und einen schwarzen Pfeil (man selbst). Den Rest kann/muss/sollte man sich denken. Weitere Punkte, die für mich für den Edge 305 sprechen, sind
- man kann geplante Touren hochladen (anders als beim Forerunner)
- er hat einen barometrischen Höhenmesser (anders als der Edge 205)

Um jetzt den Egde 305 als Navigationshilfe benutzen zu können, muss man die geplante Strecke (der Edge benutzt keine tracks zur Navigations, sondern ein proprietäres *.crs-Format!) zuerst vom PC hochladen. Das geschieht mit Hilfe der mitgelieferten Garmin-software “Training Center”. Der Rest ist ziemlich einfach … auf dem Garmin jetzt im Menü unter Hauptmenu>>Training>>Courses den gewünschten Kurs auswählen und starten.
Für mich ist das absolut ausreichend! Wer Alternativrouten und Hinweise zu POIs auf der Strecke braucht, nimmt einfach weiterhin die (Papier-)Karte zur Hand. Wer ohne Papierkarte losfährt ist selber schuld! Sich nur auf’s GPS zu verlassen, ist m.E. mehr als fahrlässig! Ausfallen kann das Ding immer mal (z.Bsp. bei einem Sturz o.ä.) … so geschehen! Papier dagegen ist geduldig. Ich benutze das GPS regelmässig, aber eine Karte ist einfach immer dabei! Solange alles glatt läuft, bleibt sie aber einfach im Rucksack
Hier sei dazu gleich ein Nachteile/Probleme des Edge 305 genannt
Akkuleistung - der Akku hält nur maximal 10h! D.h. wer eine Mehrtagestour macht, hat besser das Ladegerät dabei. Darüberhinaus empfehle ich eine USB-Batterie, die keine €10,- kostet und an einem Tag, an dem man sich richtig zerfranst hat, einem echt helfen kann, noch abends ins Lager zurück zu kommen.
Ausserdem macht der Akku lt. Herstellerangaben nur 500-1000 Ladezyklen mit - danach muss er kostenpflichtig (ca. €120,-) gewechselt werden
Zweiter Punkt, an dem Garmin das Gerät noch verbessern kann, ist der verfügbare Speicher. Hier sind kaum zuverlässige Angaben im Internet zu finden, aber aus eigener erfahrung kann ich sagen, dass das Gerät
- mehr als 8 Tage (pro Tag ca. 2000Punkte) an *crs-Daten vorrätig halten kann
- aber nur für 3 Tage die aufgezeichneten Tracks speichert - das Gerät hat einen Ringspeicher und überschreibt nach 3 Tagen die track-Daten wieder. D.h. man muss während eines Alpencross die angesammelten track-Daten zwischendurch mal runterladen
Nun zum Einsatz: primär hatte ich mir das Gerät für den Alpencross 2007 gekauft. Bezüglich der Genauigkeit der Positionsdarstellung war ich begeistert! Ich hatte die Strecke mit mehreren Programmen vorher “gezeichnet” und auf den Garmin geladen. Knackpunkt für mich war nun, wie genau man auf der dargestellten Linie war und wie schnell man entscheiden konnte, ob man sich verfahren hatte, oder ob es lediglich eine Ungenauigkeit beim Zeichnen gewesen war. Jedwege Ungenauigkeit beim Abfahren des Kurses kann mehrer Ursachen haben
- Kurs ungenau in der Karte eingezeichnet
- digitale Karte ungenau/schlecht kalibriert
- Positionsberechnung des Garmin ungenau
Insgesamt kann ich mich aber an keinen Punkt erinnern, bei dem ich mich ausserhalb der vom Garmin dargestellten accuracy (Kreis um die eigene Position) befunden hätte. Selbst bei stärkerer Abdeckung des Satellitensignals (durch Berge, Wälder …) waren es nie mehr als 50m Ungenauigkeit! In der Regel ging die Navigation so vor sich
- exakt geradeaus fahren, um die Karte auf dem Garmin einzunorden
- sofern der Abzweig nicht aus der Karte selbstredend hervorging (scharfer Linksknick), einfach eine der beiden Optionen wählen .. spätestens nach 10m war klar, ob man richtig oder falsch war
Selbst an Punkten, an denen der Abzweig (wegen wildem Bewuchs) absolut nicht zu sehen war, haben wir so innerhalb von 2min den weiterführenden trail gefunden … ich erinnere mich da noch an ganz andere Geschichten, wenn man ausschliesslich mit der Papierkarte/Textbeschreibung unterwegs ist!
Hier noch einmal alle Vor-/Nachteile des Edge
- + klein (kleiner als mein Mobiltelefon) und leicht
- + relativ günstig (ca. €300,-)
- + große Genauigkeit (SiRFstar III chip)
- + barometrischer Höhenmesser (kalibriert sich selber gegen GPS)
- + großes Display 128 x 160px
- - upload von Strecken nur im *crs-Format
- - Akkuleistung zu gering
- - Speicher für history-Daten zu gering
Für mich ist der Edge 305 die absolut beste Alternative … Kommentare erwünscht